Ärzte und Spitäler im Pharma-Geldregen

gelesen in der Appenzeller Zeitung vom 12.04.2019

TRANSPARENZ Seit 2015 legen Pharmafirmen ihre Zahlungen an Ärzte, Spitäler und Organisationen der Gesundheitsbranche offen. Die Summe der Beträge steigt.

Die Pharmaindustrie verteilt nach wie vor viel Geld an Ärzte und Spitäler. Innert drei Jahren ist die Summe von 141 Millionen Franken (2015) auf 162,5 Millionen (2017) gestiegen. Das geht aus den Zahlen des Branchenverbandes Scienceindustries hervor, die der Nachrichtenagentur AWP vorliegen, nachdem zuvor mehrere Medien darüber berichtet hatten. Pharmafirmen legen seit 2015 geldwerte Leistungen an Berufstätige und Organisationen in der Gesundheitsbranche offen.

Demnach sind von den 162,5 Millionen Franken im Jahr 2017 mehr als die Hälfte (91 Millionen) an Verbände, Universitätskliniken und andere Organisationen geflossen. Annähernd 60 Millionen flossen in die Forschung und 12,5 Millionen Franken an Ärzte sowie andere Gesundheitsfach­leute.

Novartis zahlt am meisten

Am spendabelsten ist Novartis. Der Pharmakonzern hat 19,9 Millionen Franken springen lassen, die Generika-Tochter Sandoz nicht eingerechnet. Dahinter folgen Roche mit 13,9 Millionen Franken und Bayer mit 12 Millionen. Je rund 10 Millionen wendeten Bristol-Myers Squibb, Pfizer und Astra Zeneca auf.

Mit ihrer Transparenzoffensive will sich die Pharmaindustrie von ihrem schlechten Ruf der Vergangenheit lösen, als Ärzte etwa mit Luxusreisen geködert wurden. Laut der Zeitschrift «Beobachter» ist die Rate von Ärzten, die in die Veröffentlichung ihrer Namen eingewilligt haben, auf 73 Prozent gestiegen. Hierzulande steigt der Druck auf die Branche. So fordert Science­industries von den Firmen eine Offenlegungsquote von 80 Prozent. Novartis schliesst seit 2016 keine Kooperationsverträge mehr mit Ärzten ab, die ihre Daten geheim halten, schreibt die «Handelszeitung». Hier liegt die Quote also bei 100 Prozent. Bei Roche seien es 80 Prozent. «Die Schweiz ist punkto Transparenz und Offenlegung ihren Nachbarländern, aber auch Staaten wie Grossbritannien um Längen voraus», sagt Jürg Granwehr von Scienceindustries. Der grösste Empfänger war der Auswertung zufolge die europäische Onkologenvereinigung Esmo mit Sitz in Lugano, die 10,3 Millionen Franken erhielt. Unter den Unispitälern flossen dem Berner Inselspital mit 2,7 Millionen am meisten zu. (awp)

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