Beginnt Parkinson im Darm?

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Ein falsch gefaltetes Protein zerstört das Gehirn und löst die Nervenkrankheit aus. Keine Heilung ist möglich. Jetzt gibt ein Experiment mit Mäusen Aufschluss und Hoffnung.

 

An Mäusen wurde der Parkinson-Mechanismus getestet. (Bild: AP/Robert F. Bukaty)
An Mäusen wurde der Parkinson-Mechanismus getestet. (Bild: AP/Robert F. Bukaty)

Ein bis zwei Prozent der über 65-Jährigen entwickeln das Parkinson-Syndrom. Eher Männer und Tendenz steigend. Was die Krankheit auslöst, war bisher nicht bekannt. Man wusste nur, dass sie im Gehirn schwere Schäden verursacht, welche motorische Störungen, aber auch andere Symptome zur Folge haben kann. Eine Heilung gibt es nicht.

Nun haben Forscher des John Hopkins Institute for Cell Engeneering in Baltimore ein Experiment mit Mäusen gemacht, das Aufschluss geben könnte, wie die Krankheit auch beim Menschen entsteht. Bereits 2003 hatte der deutsche Neuroanatom Heiko Braak beobachtet, dass das falsch gefaltete Alpha-Synuclein-Protein, das man in den Gehirnen von Parkinson-Patienten findet, auch in den Regionen auftritt, welche die Darmtätigkeit kontrollieren. Er äusserte die Vermutung, dass Parkinson im Darm entsteht und entlang der Nervenbahnen, welche den Darm mit dem Gehirn verbinden, wie auf einer Leiter nach oben klettert.

Diesmal funktionierte das Experiment

Bisher ist es nicht gelungen, diese Hypothese experimentell nachzuprüfen. Ted Dawson, Professor für Neurologie, und sein Co-Autor Han Seok Ko spritzten Mäusen 25 Mikrogramm synthetisch hergestellte Fasern mit dem Alpha-Synuclein in die Darmmuskulatur. Und zwar an einer Stelle, die mit Nervenfasern reich durchsetzt ist. Der Ausschlag, dass das Experiment dieses Mal funktionierte, war offenbar der richtige Ort für die Injektion und die richtige Dosis und Grösse der Fasern. Die Forscher untersuchten das Hirngewebe der Mäuse nach einem, drei, sieben und zehn Monaten nach der Injektion. Sie konnte beobachten, wie an der Stelle, wo der Vagus-Nerv ins Gehirn mündet, falsch gefaltete Proteine gebildet wurden, die sich dann im Gehirn ausbreiteten.

Experiment mit Mäusen

Das Experiment wurde mit drei Gruppen von Mäusen durchgeführt. Mäuse, denen Alpha-Synuclein gespritzt wurde; Mäuse, denen gespritzt wurde, denen aber der Nervus vagus durchtrennt wurde; und eine Kontrollgruppe, die nicht gespritzt und nicht operiert wurde.

Die Mäuse entwickelten Parkinson gemäss dem Modell, das Braak entwickelt hatte. Die Stadien der Ausbreitung entsprachen den auftretenden Symptomen. Parkinson kann in der Frühphase verschiedene Symptome entwickeln: Verstopfung, Schlafstörungen, Störungen des Geruchsinnes, erschwerte Bewegungskontrolle, Zittern, Muskelsteifigkeit und vieles mehr. Das bei den Mäusen nachzuprüfen, war nicht so einfach, zeigte sich aber bei den unterschiedlichen Problemen beim Nestbau.

Braaks Hypothese ist nicht falsch

Die Befunde zeigten, dass Braaks Hypothese nicht falsch war. Es dürfte aber schwierig sein, ähnliche Beweise beim Menschen zu finden. Immerhin gab es schon Hinweise, dass Patienten, bei welchen eine Trunkuläre Vagotomie durchgeführt wurde, eine Operation, bei welcher der Nervus vagus im Bauchraum durchtrennt wurde, weniger an Parkinson erkrankten. Diese Operation wurde früher bei Magengeschwüren durchgeführt, findet heute aber kaum mehr Anwendung, weil die Risiken gross sind und es bessere medikamentöse Therapien gibt. Dawson sagt, er würde die Vagotomie zur Vorbeugung von Parkinson nicht empfehlen. «Aber wenn man den Auslösefaktor im Darm findet, könnte sich eine vorbeugende Therapie entwickeln lassen.» Patienten mit Alpha-Synuclein im Darm wären ideale Kandidaten dafür.

 

Quelle: St.Galler Tagblatt, https://www.tagblatt.ch/leben/beginnt-parkinson-im-darm-ld.1130695

 

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