Mein Bub, der Vegetarier

mein Bub der VegetarierFür Sie gelesen im Migros Magazin 05.02.1018

Die Bolognese-Sauce steht dampfend auf dem Tisch. Doch Luca (8) rümpft nur die Nase: „Ist da Fleisch drin?“ fragt er und fügt an: „Dann will ich keine.“ Seine Mutter ist verwirrt. Luca isst die Spagetti mit Käse.

Immer mehr Schweizer ernähren sich fleischlos. Elf Prozent leben vegetarisch, drei Prozent sind vegan, verzichten also gänzlich auf tierische Produkte. Besonders bei den Jüngeren ist tierfrei im Trend: 13 Prozent der 15- bis 34-Jährigen leben vegetarisch.

Auch wenn es zu Kindern keine entsprechenden Zahlen gibt, ist doch klar: Irgendwann machen sie Bekanntschaft mit fleischlosen Menüvarianten. Dem achtjährigen Luca schmeckten auf dem Geburtstagsfest eines Schulkameraden die Vegiwürstchen viel besser als die herkömmlichen Wienerli. Und von anderen Kindern hörte er, dass es nicht gut sei, Tiere zu essen.

Öffentliche Institutionen der Schweiz fördern vegetarische Ernährung. Die Berner Kitas, Tagesschulen und -heime tischen drei- bis viermal pro Woche fleischlose Gerichte auf. Für die Stadtkinder in den Kitas von Zürich und Lausanne gibt es fleischlose Tage. Und einige private Kitas sind sogar rein vegetarisch: die Kita Sonne in Winterthur etwa oder das „Chinderland“ in Biberist SO.

Kinder brauchen Eiweiss
Martin Ruegge (37) von der Ernährungsberatung Monbijou in Bern begrüsst diese Tendenz: „Man hat lange viel zu oft und zu viel Fleisch verzehrt“, sagt er. „Familien können abends und am Wochenende noch genug Fleisch auftischen.“ Allerdings rät er vom Extremen ab: „Eine komplett vegane Ernährung ist für Kinder nicht empfehlenswert“, sagt er. Halbwüchsige haben einen weitaus höheren Nährstoffbedarf. Ein Verzicht auf Fleisch ist dann unproblematisch, wenn auf dem Speiseplan der Kinder genug Eier und Milch stehen. „Dann sind sie mit wichtigen Mineralstoffen wie Eisen, Kalzium oder Vitamin B12 gut eingedeckt.“
Auch der Experte beobachtet, dass Kinder sich vermehrt vegetarisch ernähren wollen. Den Grund sieht er vor allem in Vorbildern wie Eltern, Schulkollegen, Sportlern oder Prominenten – wie Letztere sich ernähren, ist in Zeiten von Social Media oft hinlänglich bekannt. „Will ein Kind kein Fleisch mehr konsumieren, sollte man diesen Wunsch ernst nehmen“, sagt Martin Ruegge. Wichtig sei, Fleisch durch einen anderen Proteinlieferanten zu ersetzen und bei Unsicherheiten eine Fachperson beizuziehen.

Für Luca ist der Vegetarismus inzwischen wieder Vergangenheit: Er mag Chicken Nuggets einfach zu sehr!

Was tun, wenn das Kind kein Fleisch mehr essen will?
Auch wenn sie dagegen sind: versuchen sie nicht, das Kind umzustimmen, sondern warten sie ab. Es kann eine Phase sein.

Fleisch durch eiweissreiche Produkte wie Eier, Milch oder Tofu ersetzen.

Wenn die Vegiphase andauert: Ernährungsberatung aufsuchen.
Sie kann helfen den Familienernährungsplan ohne grossen Aufwand umzustellen.
Bei länger dauernder vegetarischer oder veganer Ernährung: regelmässig Blutwerte kontrollieren lassen.

Für vegane Ernährung: Fachperson konsultieren da Nährstoffmangel droht. Der Nährstoffbedarf variiert und ist primär abhängig von Wachstumsschüben.

 

 

 

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